Hurghada oder Sharm El Sheikh? Für Taucher ist das die erste Frage einer Ägyptenreise – und die Antwort hängt weniger vom Hotel ab als von Ihrem Tauchniveau. Sharm El Sheikh liegt am Südzipfel des Sinai, direkt an den berühmten Steilwänden von Ras Mohammed und der Straße von Tiran. Hurghada liegt gegenüber auf dem Festland, mit vielen geschützten Riffen, Wracks und günstigeren Preisen. Hier der ehrliche Vergleich: Riffe, Wracks, Strömung, Haie, Wassertemperatur, Visum und für wen sich welcher Ort lohnt.
Die kurze Antwort
Sharm El Sheikh ist der Ort für Taucher, die Steilwände, Strömung, klare Sicht und große Fische suchen. Der Nationalpark Ras Mohammed und die Riffe der Straße von Tiran liegen in kurzer Bootsentfernung und gehören zu den bekanntesten Tauchplätzen der Welt.
Hurghada ist der Ort für Einsteiger, Familien und alle, die viel Abwechslung zu einem kleineren Preis wollen. Die Riffe sind oft geschützter, die Auswahl an Tauchschulen ist riesig, und mit Abu Nuhas liegt eine ganze Gruppe von Wracks in Reichweite. Mehrere Vergleiche nennen Hurghada außerdem günstiger als Sharm.
Beide Orte haben einen internationalen Flughafen mit vielen Verbindungen aus dem deutschsprachigen Raum, und an beiden finden Sie eine deutsche Tauchschule. Der wichtigste Unterschied liegt unter Wasser.
Tauchen in Sharm El Sheikh: Ras Mohammed und Tiran
Ras Mohammed ist ein Nationalpark an der Südspitze des Sinai. Hier treffen der Golf von Suez und der Golf von Akaba aufeinander, und die Riffe fallen steil in die Tiefe. Typisch sind Strömungstauchgänge entlang der Wände, große Fischschwärme und regelmäßige Begegnungen mit Riffhaien. Bekannt sind auch zwei Wracks im Park: die Yolanda, deren Ladung aus Badezimmerkeramik am Riff verstreut liegt, und die Dunraven.
Die Straße von Tiran liegt nördlich von Sharm. Ihre vier Riffe, darunter Jackson Reef und Gordon Reef, sind Drift-Tauchgänge mit Korallengärten und viel Fisch. Die Strömung ist dort oft mäßig bis stark: Diese Plätze sind eher etwas für Taucher mit Erfahrung.
Die Sicht ist in Sharm meist ausgezeichnet. Tauchschulen nennen im Schnitt 20 bis 40 Meter, an den Außenriffen oft mehr. Und Anfänger? Auch sie finden ihren Platz: Die meisten Grundkurse finden in flachen, geschützten Buchten statt, etwa an der Naama Bay. Wer aber nur einfache Tauchgänge machen will, nutzt das Besondere an Sharm kaum.
Für den Nationalpark wird eine Eintrittsgebühr fällig, die meist nicht im Tauchpaket steckt. Die Angaben dazu gehen weit auseinander. Fragen Sie Ihre Tauchschule nach dem aktuellen Betrag.

Tauchen in Hurghada: Giftun, Abu Nuhas und Delfine
Hurghada liegt auf dem ägyptischen Festland, gegenüber dem Sinai. Vor der Küste liegen Dutzende Riffe und mehrere Inseln. Die bekanntesten sind die Giftun-Inseln: ruhige Buchten, bunte Korallenblöcke und kaum Strömung. Sie gelten als einer der besten Orte im Roten Meer für die ersten Tauchgänge und zum Schnorcheln mit Kindern.
Weiter nördlich liegt das Riff von Abu Nuhas, an dem mehrere Schiffe gesunken sind, darunter die Carnatic und die Giannis D. Für Wrackfans ist das ein Höhepunkt: mehrere Wracks an einem Tag, teils in geringer Tiefe. Am Riff Shaab El Erg, auch „Dolphin House“ genannt, leben Große Tümmler, die man dort oft beobachten kann. Auch Meeresschildkröten sieht man rund um Hurghada regelmäßig.
Die Bedingungen sind an den geschützten Plätzen ruhiger als in Sharm. Nach starkem Wind kann die Sicht an der Küste allerdings auf etwa 15 Meter sinken. Die Riffe direkt vor der Stadt sind zudem stärker besucht. Wer die schönsten Plätze sehen will, plant längere Bootsfahrten ein.

Die Thistlegorm: das Wrack zwischen beiden Orten
Die SS Thistlegorm ist das bekannteste Wrack des Roten Meeres. Der britische Frachter wurde 1941 von deutschen Flugzeugen versenkt. Er liegt in rund 30 Metern Tiefe, und seine Ladung ist noch an Bord: Lastwagen, Motorräder, Lokomotivteile. Wegen der Tiefe und der möglichen Strömung ist ein Fortgeschrittenen-Brevet sinnvoll.
Das Wrack liegt im Golf von Suez, etwa gleich weit von Sharm und Hurghada entfernt. Von beiden Häfen dauert die Fahrt rund 3 bis 4 Stunden. Die Boote legen sehr früh ab, und die Zahl der Fahrten ist begrenzt: Buchen Sie diesen Ausflug rechtzeitig. Die Thistlegorm allein ist also kein Grund, sich für den einen oder anderen Ort zu entscheiden.
Ruhiger geht es auf einer Tauchsafari mit Übernachtung an Bord. Solche Touren starten von beiden Häfen. Das Boot erreicht das Wrack, bevor die Tagesboote ankommen.

Hurghada oder Sharm El Sheikh: der Vergleich
| Sharm El Sheikh | Hurghada | |
|---|---|---|
| Stärke | Steilwände, Strömung, große Fische | Vielfalt, ruhige Buchten, Wracks |
| Bekannte Plätze | Ras Mohammed, Tiran | Giftun, Abu Nuhas, Shaab El Erg |
| Für Anfänger | gut, aber Highlights eher für Erfahrene | sehr gut |
| Strömung | oft mäßig bis stark | an geschützten Plätzen gering |
| Wassertemperatur | ca. 21–28 °C | ca. 22–29 °C |
| Sicht | 20–40 m, außen oft mehr | 20–40 m, nach Wind weniger |
| Thistlegorm | 3–4 h Bootsfahrt | 3–4 h Bootsfahrt |
| Preise | eher höher | eher günstiger |
Kurz gesagt: Wer schon Erfahrung hat und das „große Blau“ sucht, fährt nach Sharm. Wer lernen, mit der Familie reisen oder viele verschiedene Tauchgänge machen will, ist in Hurghada gut aufgehoben. Und wer schöner fragt: Sharm hat die spektakuläreren Wände, Hurghada die größere Auswahl.
Beste Reisezeit: Dezember, Januar, Februar – wo ist es wärmer?
Getaucht wird an beiden Orten das ganze Jahr. Laut Tauchschulen liegt das Wasser in Sharm bei etwa 21 bis 28 Grad, in Hurghada bei etwa 22 bis 29 Grad. Im Sommer ist Hurghada etwas wärmer. Im Winter ist der Unterschied so klein, dass er bei der Wahl keine Rolle spielen sollte.
Im Dezember, Januar und Februar ist das Wasser am kühlsten. Ein 5-mm-Anzug ist dann üblich, wer leicht friert, nimmt eine Weste dazu. Dazu kommt Wind, der an manchen Tagen Bootsfahrten verkürzt. Dafür sind die Temperaturen an Land angenehm. Die wärmste Zeit unter Wasser ist der Spätsommer und Herbst, wenn sich das Meer über Monate aufgeheizt hat.

Praktisch: Visum, Tauchschule, Internet
Visum. Für Hurghada brauchen Sie das normale Touristenvisum, derzeit rund 30 US-Dollar. In Sharm El Sheikh gibt es für kurze Aufenthalte im Süden des Sinai einen gebührenfreien Stempel „Sinai only“ für bis zu 15 Tage. Ob er auch für Ras Mohammed und die Fahrt zur Thistlegorm genügt, beschreiben die Quellen unterschiedlich. Fragen Sie Ihre Tauchschule vor der Reise: Im Zweifel ist das volle Visum die sichere Wahl.
Tauchschule. Achten Sie auf eine Zertifizierung (PADI, SSI oder ähnlich), gepflegte Ausrüstung und kleine Gruppen. Lesen Sie aktuelle Bewertungen und fragen Sie, was im Preis steckt: Boot, Ausrüstung, Nationalparkgebühr, Transfer. Eine deutschsprachige Tauchschule finden Sie an beiden Orten.
Internet. Tauchschulen und Fahrer stimmen Treffpunkte meist per WhatsApp ab. Ägypten liegt außerhalb der EU, Roaming wird also teuer. Es lohnt sich, vor dem Abflug eine eSIM für Ägypten zu installieren.

Und Marsa Alam oder Dahab?
Bei der Suche nach „Hurghada oder Sharm El Sheikh“ taucht oft eine dritte Frage auf: Marsa Alam. Der Ort liegt weiter südlich an der Festlandküste, hat einen eigenen internationalen Flughafen und ist ruhiger als Hurghada. Wer abgelegene Riffe und wenig Betrieb sucht, sollte ihn mit vergleichen.
Dahab liegt nördlich von Sharm am Golf von Akaba und ist bei Tauchern für seinen entspannten Stil bekannt, mit vielen Plätzen direkt vom Ufer. Sein berühmtester Platz, das Blue Hole, ist im tiefen Teil nur etwas für sehr erfahrene Taucher.
Und wer Tauchen und Kultur verbinden will: Unsere Ägypten Rundreise in 10 Tagen zeigt, wie man Kairo und Luxor einplant, der Artikel Pyramiden von Gizeh besichtigen hilft beim Besuch, und Ägypten Urlaub Kosten sagt, was das alles kostet.
Unser Fazit
Es gibt keine falsche Wahl, nur eine passende. Sharm El Sheikh lohnt sich für erfahrene Taucher, die Ras Mohammed und Tiran sehen wollen: Wände, Strömung, Haie und klare Sicht. Hurghada lohnt sich für Anfänger, Familien und Wrackfans, die viel Auswahl zu einem günstigeren Preis suchen.
Die Thistlegorm erreichen Sie von beiden Orten. Prüfen Sie vor der Buchung das Visum, fragen Sie nach der Nationalparkgebühr, und wählen Sie Ihre Tauchschule nach Sicherheit, nicht nach dem niedrigsten Preis.



