Nein, La Réunion ist nicht unbezahlbar. Die Insel ist ein französisches Übersee-Département, also gelten europäische Preise — aber mit Besonderheiten, die alles ändern: Der Sprit ist von der Präfektur gedeckelt, das Beste der Insel (Wanderwege, Lagune, Aussichtspunkte) ist gratis, und der kreolische Teller gehört zu den günstigsten Mahlzeiten Frankreichs. Hier sind die echten Zahlen, Posten für Posten, alle im September 2026 geprüft — kein Zauber-Durchschnitt, sondern das Material für IHR Budget, je nachdem, wie Sie reisen.
Der Flug: der größte und dehnbarste Posten
Beim Flugticket schwanken die Preise am stärksten. Für Paris–Saint-Denis hin und zurück in der Economy rechnen Sie mit 400–650 € in der Nebensaison (Februar–März, November), 550–800 € in der Zwischensaison (Mai–Juni, September–Oktober) und 700–1 100 € — manchmal mehr — in der Hochsaison, also Juli–August und um den Jahreswechsel, wenn die réunionesische Diaspora zeitgleich mit den Urlaubern heimfliegt. Aus Deutschland kommt der Zubringer nach Paris hinzu — die Faustregeln bleiben dieselben.
Die Regel, die Hunderte Euro spart, passt in einen Satz: 3 bis 4 Monate im Voraus buchen — und wer flexibel ist, zielt auf November oder das Fenster März–Juni, wo die besten Preise mit gutem Wetter zusammenfallen. Unser Guide zur besten Reisezeit für La Réunion zeigt Saison für Saison, was der Himmel zu diesen Ersparnissen sagt.
Übernachten: von der Kreolen-Case bis zur Boutique-Lodge
Das Rückgrat der Unterkünfte ist die Chambre d’hôtes (Gästezimmer): 50–150 € pro Nacht, je nach Küste, Aussicht und Standard — Frühstück meist inklusive, und viele Gastgeber servieren abends eine Table d’hôtes, was die Abendessensfrage elegant löst. Darunter einfache Gîtes und Ferienwohnungen; darüber Boutique-Hotels und Lodges mit Meerblick, die locker über 200 € gehen.
In Mafate, dem straßenlosen Talkessel, schläft man in Berghütten: 60–75 € mit Halbpension — Carri vom Holzfeuer inklusive, Solarstrom und eine Stille, die kein Geschäft verkauft. Früh reservieren, die Betten sind knapp; unser Mafate-Guide erklärt, wie.
Der Tipp mit der größten Wirkung über zwei Wochen: eine Unterkunft mit Küche. Marktfrüchte, Reis und selbst gekochte Hülsenfrüchte halbieren das Essensbudget — dazu gleich mehr.
Mietwagen, Sprit und Bus: unterwegs auf der Insel
Das Auto ist der wahre Schlüssel zu La Réunion: Die Wanderparkplätze erreicht man im Morgengrauen, vor den Wolken, und kein Bus fährt um 5 Uhr auf den Maïdo. Bei längerer Miete (ab 7 Tagen) beginnt der Kleinwagen bei 20–25 € pro Tag, also 200–250 € pro Woche; größere Kategorien und die Hochsaison klettern schnell — vor der Ankunft buchen.
Gute Nachricht an der Zapfsäule: Die Spritpreise werden jeden Monat per Präfektur-Erlass festgelegt, überall auf der Insel identisch. Stand 1. September 2026: 1,83 € pro Liter Bleifrei, 1,68 € Diesel — Tankstellenvergleich unnötig, das Gesetz hat ihn erledigt. Kleine Bergkosten einplanen, etwa den bewachten Parkplatz am Col des Bœufs Richtung Mafate: 5 € pro Tag, 14 € über Nacht.
Ohne Auto? Das Überlandnetz Car Jaune ist unschlagbar günstig: 2 € pro Ticket (Umstiege 3 Stunden inklusive), 6 € pro Tag, 15 € pro Woche — und seit dem 1. Mai 2026 hat die Region die Abos halbiert. Perfekt für die Küsten; für Talkessel und Gipfel ehrlicherweise zu wenig.

Essen: der sanfteste Posten im Budget
Die beste Überraschung der Reise. An den Imbisswagen und Snackbars kostet die Carri-Box oder das kreolische Sandwich wenige Euro und trägt durch einen ganzen Wandertag; in den kleinen kreolischen Restaurants bleibt der üppige Teller — Carri, Rougail, Hülsenfrüchte, Reis — deutlich günstiger als die Touristentische, und schmeckt meist besser. Die Restaurants nach französischer Art in den Badeorten verlangen dagegen Festlandspreise.
Die zweite Säule sind die Wochenmärkte — allen voran Saint-Paul, freitags und samstagvormittags: Victoria-Ananas, Mangos, Litschis in der Saison, Gewürze und Vanille, zu Preisen, die die Import-Regale der Supermärkte vergessen lassen — dort kosten Festlandprodukte spürbar mehr als in Europa. Mit Küche isst man fürstlich für wenig: Marktfrüchte zum Frühstück, mittags eine Box, abends Table d’hôtes — der perfekte kreolische Rhythmus.
Drei Fallen zum Schluss: die „Touristenfänger“-Restaurants an den belebten Uferpromenaden, teuer und seelenlos, während der kreolische Tisch nebenan für den halben Preis Besseres kocht; das aus Gewohnheit gekaufte Flaschenwasser, obwohl das Leitungswasser in der großen Mehrheit der Gemeinden trinkbar ist; und die Flughafen-Souvenirs — Vanille, Gewürze und Rhum arrangé kauft man auf den Märkten deutlich besser und deutlich günstiger. Eine Essensbox mit Blick aufs Meer in Saint-Pierre schlägt manches 40-€-Abendessen um Längen.

Aktivitäten: das Grandiose ist gratis, der Rest ist Auswahl
Merken Sie sich eines: Das Spektakulärste auf La Réunion kostet nichts. Hunderte Kilometer Wanderwege, der Sonnenaufgang am Maïdo, der Piton de la Fournaise vom Pas de Bellecombe, die Wasserfälle, die Uferpromenade von Saint-Pierre: gratis. Die Lagune und ihre Fische: gratis — Maske und Schnorchel genügen, in den überwachten Zonen.
Geführte Aktivitäten wählt man wie Gerichte à la carte. Canyoning in Cilaos: rund 65 € die Einsteiger-Tour, 110 € die komplette Fleurs-Jaunes-Schlucht. Walbeobachtungstouren (regulierte Saison 1. Juli–30. September): 40–90 € — unser Guide zur Walbeobachtung auf La Réunion erklärt die Annäherungsregeln. Und der große Nervenkitzel, der Helikopterflug: 99–160 € für 15–25 Minuten Schnupperflug, 220–305 € für die 35–45-Minuten-Schleife, 300–380 € für die komplette Inselrunde mit Mafate und Trou de Fer — Heliport-Gebühr teils extra. Ein einziger Flug prägt ein Leben; niemand braucht alle drei Formate.

Drei Beispielbudgets, pro Tag und Person
Aus den obigen Preisen gebaut, ohne Flug, zu zweit reisend, pro Person — Größenordnungen zum Anpassen, keine Versprechen:
Backpacker — 60–80 € pro Tag. Gîtes und einfache Zimmer, geteilter Kleinwagen, Essensboxen und eigene Küche, Gratis-Aktivitäten: die ganze Insel zu Fuß — und was für eine Insel.
Komfort — 100–140 € pro Tag. Gästezimmer mit Abendtisch, Auto ohne Umwege zu zählen, kreolische Restaurants, ein bis zwei bezahlte Aktivitäten im Urlaub — die Reise, die die meisten Besucher tatsächlich machen.
Genuss — ab 180 € pro Tag. Lodges und Boutique-Hotels, Helikopterflug, Canyoning und Bootstouren: die Insel ohne Rechnen.
Über zwei Wochen, Flug inklusive, reicht die realistische Spanne damit von rund 1 500 € als disziplinierter Backpacker bis 3 300 € und mehr mit Komfort — unsere 10-Tage-Rundreise zeigt konkret, wohin diese Tage gehen.
Ein letzter praktischer Punkt: Bezahlt wird in Euro, genau wie zu Hause — Bankkarten werden fast überall akzeptiert, Geldautomaten stehen in jeder Stadt, Wechselgebühren entfallen für Reisende aus der Eurozone komplett. Die Straßen der Insel kennen keine Maut, und im Restaurant ist der Service inbegriffen: Trinkgeld bleibt eine Geste, nie eine Pflicht. Die einzige kleine Zeile, die in der Tabelle nicht fehlen darf, ist die Kurtaxe, die viele Gemeinden auf die Übernachtung aufschlagen — von einigen Dutzend Cent bis zu wenigen Euro, zahlbar beim Gastgeber.

Das Wort des Locals
Das Réunion-Budget gewinnt man im Kalender, nicht am Taschenrechner: Dieselbe Insel kostet in der Zwischensaison ein Drittel weniger, Flüge und Mietwagen inbegriffen, bei leereren Wegen. Flug und Auto früh buchen, bei Einheimischen schlafen, kreolisch essen — und die Euros für das aufheben, was sich nicht wiederholen lässt: einen Flug über Mafate, eine Waltour in der Saison. Und misstrauen Sie dem Reflex „französisches Département, also teuer“: Der wahre Luxus hier — die Morgendämmerung über den Wolken, die Lagune, die Felswände — geht nie über eine Kasse.
