Mehr als die Hälfte aller Hotelzimmer von La Réunion liegt an einer einzigen Küste – wer das weiß, bucht besser. Die Insel ist klein, aber jede Region schläft anders: Strandhotel an der Lagune im Westen, Gästezimmer im kreolischen Haus in den Bergen, Gîte im autofreien Mafate. Dieser Guide sortiert die Regionen, nennt echte Preise pro Nacht und sagt, wann man buchen muss – alle Zahlen Stand Oktober 2026.
Die Lage verstehen: eine Insel, vier Küsten – und die Hauts
Ein paar Zahlen machen die ganze Logik sichtbar. Ende 2025 zählte das INSEE auf La Réunion 97 Hotels und touristische Gemeinschaftsunterkünfte mit rund 3 800 Zimmern und Apartments – für eine Insel mit fast 900 000 Einwohnern ist das wenig. Und diese Zimmer sind extrem ungleich verteilt: 53 % der Kapazität liegen im Westen (2 016 Zimmer), je rund ein Viertel im Süden (886) und in Norden und Osten zusammen (867).
Dazu kommt: Die Häuser sind gut gefüllt. Die Auslastung lag 2025 bei 63 %, die Übernachtungen stiegen um 5 % – zu Spitzenzeiten ist das Angebot schlicht knapp. Die gute Nachricht: Neben den Hotels gibt es ein dichtes Netz aus Gästezimmern (chambres d’hôtes), Gîtes und Ferienwohnungen, oft familiengeführt und oft die charmantere Wahl. Wer die Regionen kennt und früh genug bucht, wohnt auf La Réunion gut und bezahlbar.
Der Westen: Lagune, Strände – und die Hälfte aller Hotelzimmer
Von Boucan Canot über Saint-Gilles-les-Bains, L’Hermitage und La Saline bis Saint-Leu reiht sich fast alles aneinander, was die Insel an klassischem Badeurlaub bietet: die von einem Riff geschützte Lagune mit ihren bewachten Badezonen, Sandstrände unter Filaos, Restaurants, Tauchbasen – und eben über die Hälfte der Hotelzimmer, fast ein Drittel der klassifizierten Häuser der Insel allein rund um Saint-Gilles.
Das ist die richtige Basis für alle, die morgens schnorcheln und abends am Hafen essen wollen – und die logische erste Station einer Rundreise. Die Kehrseite: Es ist die teuerste Ecke der Insel. Strandhotels liegen meist zwischen 95 und 190 € pro Nacht, die 4-Sterne-Häuser von Saint-Gilles schwanken je nach Monat enorm – von rund 60 € im März bis weit über 200 € im Oktober. Es ist zugleich die trockenste, sonnigste Seite: Saint-Gilles bekommt unter 700 mm Regen im Jahr, die Ostküste das Vier- bis Siebenfache.
Eine Alternative, die an dieser Küste oft klüger ist als das Hotel: die Ferienwohnung oder Apartanlage mit Küche. In L’Hermitage und La Saline verstecken sich viele Apartments zwei, drei Straßen hinter der Lagune — dieselben Strände, spürbar sanftere Preise, und man kann kochen, was der Markt hergibt. Für eine Familie oder einen Wochenaufenthalt ist der Unterschied auf der Endrechnung real; nur die Mindestaufenthaltsdauer sollte man prüfen, in der Hochsaison ist sie üblich.

Der Süden: Saint-Pierre, lebendig – und das Tor zum Vulkan
Saint-Pierre ist die zweite Stadt der Insel und ihr südlicher Gegenpol: ein echter Ort zum Leben mit großem Samstagsmarkt, Hafenpromenade, Bars und einem kleinen Stadtstrand. Rund ein Viertel der Hotelkapazität (886 Zimmer) liegt im Süden – dazu viele Gästezimmer und Ferienwohnungen, oft spürbar günstiger als in Saint-Gilles.
Strategisch ist der Süden Gold wert: Von hier startet man früh zum Piton de la Fournaise, einem der aktivsten Vulkane der Welt, erreicht den wilden Süden mit seinen Lavafeldern und die Badebucht von Grande Anse mit ihrem abgegrenzten Becken. Wer lieber ganz nah am Vulkan schläft: Das Gîte du Volcan (Übernachtung 40 €) liegt direkt an der Hochebene – und ist entsprechend begehrt.

Die Hauts und die Talkessel: Gîtes, kreolische Häuser, kühle Nächte
Die zweite Hälfte einer Réunion-Reise spielt in den Bergen – und dort wohnt man anders. In Cilaos (Thermalbad, Linsenfelder, Ausgangspunkt zum Piton des Neiges), in Hell-Bourg im Talkessel Salazie – seit 1998 eines der „schönsten Dörfer Frankreichs“ – oder in Dörfern wie L’Entre-Deux schläft man in kreolischen Häusern mit Garten, als Gast einer Familie, mit Abendessen am gemeinsamen Tisch. Ein einfaches Doppelzimmer mit Frühstück beginnt bei etwa 40 bis 70 €, je nach Standard auch 50 bis 150 €.
Zwei Besonderheiten muss man einplanen. Im autofreien Mafate erreicht man die Gîtes (60 bis 75 € mit Halbpension) nur zu Fuß – reservieren, dann wandern. Und die Berggîtes an den großen Wanderrouten, allen voran die Caverne Dufour am Piton des Neiges (Schlafsaal 20 bis 21 €, Halbpension 34 €, nur 48 Betten), sind in der Trockenzeit Wochen bis Monate im Voraus ausgebucht. Die Nächte oben sind kühl – nach einem Tag in den Tropen eine Wohltat.
Ein Rat, der den Aufenthalt in den Hauts verändert: Nehmen Sie das Abendessen an der Table d’hôtes, wann immer es angeboten wird. Abends haben die Bergdörfer oft nur wenige offene Restaurants — und das Cari oder Rougail des Hauses, oft mit Gemüse aus dem eigenen Garten, ist genau das, wofür man gekommen ist. Bestellt wird es bei der Zimmerreservierung, selten in letzter Minute.

Norden und Osten: praktisch – und die grüne, günstige Seite
Saint-Denis im Norden ist Hauptstadt, Geschäftszentrum und liegt direkt am Flughafen Roland-Garros: ideal für die erste oder letzte Nacht, mit Stadthotels und kreolischer Altstadt, aber ohne Badestrand. Der Osten um Saint-André, Salazie-Eingang und Sainte-Rose ist die grüne Seite der Insel – Vanille, Zuckerrohr, Wasserfälle, kaum Tourismus und entsprechend kleine Preise.
Ehrlich muss man dazusagen: Es ist auch die regenreichste Seite – die Ostküste bekommt 3 000 bis 5 000 mm Niederschlag im Jahr, ein Vielfaches des Westens. Wer das als Teil des Erlebnisses nimmt (und es oft nur nachmittags regnen lässt), findet hier die authentischste und preiswerteste Ecke der Insel; Norden und Osten zusammen stellen mit 867 Zimmern knapp ein Viertel der Hotelkapazität.
Hotel, Gästezimmer, Gîte oder Ferienwohnung: die Preise pro Nacht
Die Größenordnungen, auf den Vergleichsportalen am 14. Oktober 2026 abgelesen: Schlafsaalbett 32 bis 52 €, Privatzimmer im Hostel ab rund 72 €. Gästezimmer: einfache Doppel mit Frühstück ab 40 bis 70 €, der Durchschnitt um 80 €, Komforthäuser bis 150 €. Ferienunterkünfte und Gîtes: im Monatsmittel 106 € (August) bis 121 € (Dezember). Strandhotels: meist 95 bis 190 €, Häuser der 200-€-Klasse und darüber gibt es vor allem in Saint-Gilles. Der Dezember ist mit im Schnitt rund 175 € pro Hotelnacht der teuerste Monat.
Zwei Spar-Hebel sind größer als jeder Rabattcode: die Region (Süden und Osten schlagen den Westen fast immer) und der Kalender – dieselben 4-Sterne-Zimmer in Saint-Gilles kosten im März rund ein Viertel des Oktoberpreises. Was eine Woche insgesamt kostet, mit Mietwagen und Essen, rechnet unser Budget-Guide vor.
Wann buchen: der Kalender entscheidet
Drei Zeiträume füllen die Insel. Juli und August: Südwinter mit dem besten Wanderwetter, Walsaison (Juli bis September) – und zugleich Sommerferien in Frankreich und Winterferien auf La Réunion selbst (2026: 4. Juli bis 18. August). Oktober bis Anfang Dezember: warm, noch meist trocken, dazu Ereignisse wie der Grand Raid (15.–18. Oktober 2026), der Cilaos, die Hauts und Saint-Pierre komplett füllt. Und die Feiertage: Mitte Dezember bis Anfang Januar reisen Familien aus der Métropole ein, die australischen Sommerferien dauern bis Anfang Februar – Dezember ist der teuerste Monat.
Daraus folgt ein einfacher Fahrplan. Für Juli/August und Dezember: vier bis sechs Monate vorher buchen, Berggîtes und Mafate sofort bei Öffnung der Reservierung. Für Nebensaison-Reisen (Februar bis Juni, mit der Zyklonsaison bis 30. April als Wetterrisiko) reichen oft wenige Wochen – es ist die Zeit der niedrigsten Zimmerpreise. Und in jedem Fall: zwei bis drei Stützpunkte statt täglicher Fahrerei – Westküste, Süden, ein Talkessel. So schläft man dort, wo der nächste Morgen beginnt.
Drei Buchungsreflexe zum Schluss. In der Zyklonsaison lieber stornierbare Raten wählen: eine Warnung vor schwerem Seegang oder ein Zyklon kann Ihre Nächte verschieben. Vergleichen Sie immer den Gesamtpreis — Frühstück, Endreinigung einer Ferienwohnung — statt der ersten angezeigten Zeile. Und bei gleichem Komfort kostet ein Zimmer zwei, drei Straßen hinter der Strandpromenade oft deutlich weniger als derselbe Lagunenblick.




