Die Westküste ist die sonnige Seite von La Réunion: die Leeseite der Insel, mit der Lagune, den weißen Stränden und fast jedem Sonnenuntergang, den Sie auf der Insel erleben werden. Dieser Guide führt durch Saint-Gilles-les-Bains, L’Hermitage und La Saline: wo man schnorchelt, wo man sicher badet, was der Badeort wirklich kann — und was gerade geschlossen ist. Alle Fakten und Preise wurden am 23. Oktober 2026 geprüft.
Warum alle an der Westküste landen
La Réunion ist eine Insel mit zwei Gesichtern, und der Passatwind zeichnet die Grenze: Der Osten fängt die Wolken ab und bekommt 3 000 bis 5 000 mm Regen pro Jahr, die Gegend um Saint-Gilles im Westen weniger als 700 mm. Die „Côte sous le vent“ — die Leeküste — ist darum die trockenste, sonnigste Ecke der Insel, und das ganze Badeleben spielt sich hier ab: zwischen dem Cap La Houssaye im Norden und La Saline-les-Bains im Süden liegen die Lagune, die weißen Strände und die Strandbars.
Die Zahlen sagen dasselbe: Laut INSEE (Stand Ende 2025) stehen an der Westküste 2 016 Hotelzimmer — 53 % des gesamten Angebots der Insel. Wer wandern will, schläft oft in den Bergen; wer Lagune, Sonne und Meer will, landet früher oder später in Saint-Gilles. Beides lässt sich verbinden: Der Aussichtspunkt Maïdo (2 205 m) mit seinem Blick in den Talkessel Mafate liegt direkt oberhalb — morgens Sonnenaufgang am Kraterrand, nachmittags Schnorcheln in der Lagune.
Saint-Gilles-les-Bains: der Badeort der Insel
Saint-Gilles-les-Bains ist das touristische Herz von La Réunion: ein Yachthafen, eine Fußgängerzone mit Restaurants und Eisdielen, die Strände Roches Noires direkt am Ort und L’Hermitage gleich dahinter. Hier konzentrieren sich Tauchbasen, Bootsausflüge (Delfine, Wale, Katamaran bei Sonnenuntergang) und das Nachtleben — so viel „Badeort“ wird es auf dieser wilden Insel sonst nirgends.
Ein Hinweis, der 2026 wichtig ist: Das Aquarium de La Réunion am Hafen ist seit dem 17. August 2026 geschlossen, ein Wiedereröffnungsdatum war bei unserer Prüfung am 23. Oktober nicht angekündigt. Prüfen Sie die offizielle Seite, bevor Sie den Besuch einplanen — und rechnen Sie ihn nicht fest in einen Regentag ein.
Die Lagune von L’Hermitage: Schnorcheln im Schutzgebiet
Südlich von Saint-Gilles beginnt das, wofür die meisten kommen: die Lagune von L’Hermitage, flach, glasklar und vom Korallenriff vor der Dünung geschützt. Unter den Kasuarinen-Bäumen (Filaos) liegt der bekannteste Strand der Insel; im hüfttiefen Wasser schwimmen Papageifische, Doktorfische und mit etwas Glück eine Muräne zwischen den Korallenstöcken. Einen Eintritt oder eine Tour braucht es nicht — Maske auf und los.

Die ganze Lagune liegt im Meeresnaturschutzgebiet von La Réunion, gegründet im Februar 2007: rund 3 500 Hektar entlang von etwa 40 km Küste, vom Cap La Houssaye bis L’Étang-Salé — rund 80 % der Korallenriffe der Insel stehen darin unter Schutz. Schnorcheln (Flossen, Maske, Schnorchel) ist in der Lagune seit dem 12. Februar 2025 ausdrücklich erlaubt; die Regeln bleiben streng: nichts anfassen, nichts füttern, nichts mitnehmen — und nie auf Korallen stehen. In den besonders geschützten Zonen gelten zusätzliche Verbote, die vor Ort ausgeschildert sind.
Ausführlicher Ratgeber: La Réunion Sehenswürdigkeiten: die 25 Höhepunkte, ausgewählt von Einheimischen
La Saline-les-Bains und Trou d’Eau: Schildkröten im Seegras
Fährt man den Strand weiter nach Süden, wird es ruhiger: La Saline-les-Bains und Trou d’Eau sind die Picknick-Strände der Réunionnais — Familien unter den Filaos, Stand-up-Paddler auf dem Wasser, Snacks mit Blick auf die Lagune. Das Wasser ist hier genauso klar wie an L’Hermitage, aber die Handtücher liegen weiter auseinander.
Für einen besonderen Moment lohnt der Nordteil der Lagune von La Saline: Dort stehen die Chancen am besten, beim Schnorcheln einer grünen Meeresschildkröte zu begegnen, die im Seegras weidet. Abstand halten, nicht hinterherschwimmen — dann bleibt sie oft minutenlang. Garantien gibt es keine: Wer Schildkröten sicher sehen will, nimmt eine Bootstour oder wartet auf einen ruhigen Morgen.
Boucan Canot, Cap La Houssaye und die Wale
Nördlich von Saint-Gilles liegt Boucan Canot, der mondänste Strand der Insel: eine Bucht mit hellem Sand, Strandbars und Felsen an beiden Enden — hier liegt kein Riff vor der Küste, gebadet wird in der bewachten Zone mit Hainetz (dazu gleich mehr). Abends füllt sich die Promenade zum Sonnenuntergang.

Gleich dahinter beginnt die Savannenlandschaft des Cap La Houssaye — goldgelbes Gras, Vulkanfelsen, und von Juli bis September einer der besten Plätze der Insel, um Buckelwale von Land aus zu sehen. Die Beobachtung vom Boot ist streng geregelt (begleitete Saison 1. Juli bis 30. September, Ausfahrten 40–90 €); vom Ufer aus braucht es nur Geduld und ein Fernglas. Unser Guide zur Walbeobachtung erklärt Saison, Regeln und Anbieter.

Wo kann man an der Westküste sicher baden?
Die ehrliche Antwort, die jeder Réunion-Reisende kennen sollte: Im offenen Meer wird auf La Réunion nicht gebadet. Seit dem Rahmenerlass vom 8. Februar 2017 ist das Baden außerhalb der Lagune und der bewachten Zonen verboten — der Grund sind Haie, und die Regel wird ernst genommen. Was bleibt, ist mehr als genug: die gesamte Lagune von L’Hermitage bis La Saline, flach, warm und riffgeschützt, dazu die bewachten Badezonen mit Hainetzen an Boucan Canot und Roches Noires.
Zwei Details: Die Netze werden bei Wellengang über 1,50 m vorsorglich entfernt — an solchen Tagen ist die Zone geschlossen, die Flaggen am Strand zeigen es an. Und in der Lagune gilt: bei Ebbe wird es sehr flach, Korallenschuhe schonen Füße und Riff. Alle Strände, Zonen und Regeln im Detail: unser Strand-Guide für La Réunion.
Saint-Paul und die Höhen: Markt, Geschichte, Maïdo
Zehn Minuten nördlich liegt Saint-Paul, die erste Hauptstadt der Insel — und ihr bester Markt: der Marché forain an der Uferpromenade, freitags ganztägig und samstags bis mittags. Ananas Victoria, Vanille, Gewürze, Combava und Streetfood: Hier kauft die Westküste ein, und es ist der schönste Programmpunkt für einen Vormittag ohne Strand.

In den Höhen von Saint-Gilles erzählt das Museum von Villèle die Geschichte der Plantagen und der Sklaverei — es wird derzeit zum Musée de l’habitation et de l’esclavage umgebaut, die Besichtigungen sind seit Anfang 2026 neu organisiert: prüfen Sie vor der Anfahrt, was geöffnet ist. Und ein ehrliches Wort zur Ravine Saint-Gilles: Die berühmten Becken Bassin des Aigrettes und Bassin Malheur sind offiziell gesperrt — dass Fotos davon durchs Netz geistern, ändert nichts am Verbot. Der legale Höhepunkt der Höhen bleibt der Maïdo (2 205 m): vor Sonnenaufgang hinauffahren, in den Talkessel Mafate schauen, zum Frühstück wieder an der Lagune sein.
Praktisch: wann, wo schlafen, womit rechnen
Wann? Die Westküste funktioniert das ganze Jahr — am angenehmsten im Südwinter (Mai bis November): trocken, 25–28 °C, und von Juli bis September ziehen die Wale vorbei. Der Sommer (Dezember bis April) ist heißer und feuchter, mit Zyklon-Saison; was das für die Reiseplanung heißt, steht in unserem Guide zur besten Reisezeit für La Réunion.
Wo schlafen? Saint-Gilles und L’Hermitage sind die logische Basis für den Badeteil der Reise — mit den größten Preisschwankungen der Insel: Ein 4-Sterne-Haus in Saint-Gilles kostet je nach Saison von ~60 € (März) bis ~247 € (Oktober) pro Nacht. Früh buchen lohnt sich besonders um die Ferien im Dezember. Zonen, Preise und der richtige Buchungszeitpunkt: unser Guide Wo übernachten auf La Réunion. Und planen Sie mindestens einen Abend fest ein: Sonnenuntergang am Strand, Picknick unter den Filaos — die Westküste macht den Rest.



