Insider-Guide

Los Gigantes: Klippen, Bootstouren und Sonnenuntergänge an Teneriffas Westküste

Vom Moris-Insider-Team·22. Oktober 2026·9 Min. Lesezeit

Von Weitem sieht es aus, als hätte jemand die Insel mit dem Beil abgeschlagen: Bei Los Gigantes stürzt das Teno-Gebirge 300 bis 600 Meter senkrecht in den Atlantik — die Guanchen nannten die Wände „Muralla del Infierno", Mauer der Hölle. Davor liegt ein kleiner Ferienort mit Yachthafen, einem schwarzen Strand und dem besten Startpunkt der Insel für Wal-Bootstouren. Dieser Guide sagt ehrlich, was sich hier lohnt und was nicht: die Klippen vom Wasser aus, die Playa de los Guíos, die regulierte Masca-Schlucht und die Sonnenuntergänge neben La Gomera — alle Preise am 22. Oktober 2026 geprüft.

Die Klippen: eine Mauer, die man vom Meer aus lesen muss

Die Acantilados de Los Gigantes sind der Abbruch des Teno-Massivs, eines der ältesten Teile Teneriffas: dunkler Basalt, von Erosionsrinnen zerfurcht, der auf mehreren Kilometern zwischen dem Ort und der Punta de Teno fast lotrecht ins Meer fällt. Je nach Abschnitt messen die Wände 300 bis 600 Meter — zum Vergleich: Der Kölner Dom würde fast viermal übereinander hineinpassen. Unter der Wasserlinie geht es ähnlich steil weiter; warum Taucher diese Steilwände lieben, steht in unserem Guide zum Tauchen auf Teneriffa.

Den ersten großen Blick gibt es gratis: vom Mirador de Archipenque an der Straße oberhalb des Ortes, mit der ganzen Wand im Profil und La Gomera am Horizont. Aber täuschen Sie sich nicht — vom Land aus sieht man immer nur die Kante. Ihre wahre Größe zeigen die Klippen erst vom Wasser aus, wenn das Boot unter der Wand liegt, der Motor aus ist und oben die Falken kreisen. Deshalb führt an einer Ausfahrt kaum ein Weg vorbei.

Der Hafen: Startpunkt zu den Grindwalen

Der kompakte Yachthafen von Los Gigantes ist der nördlichste Startpunkt für Waltouren der Insel — und der mit dem kürzesten Anfahrtsweg zum Spektakel. Direkt vor der Küste beginnt das Schutzgebiet ZEC Teno-Rasca, rund 69.500 Hektar Meer, in denen Grindwale und Große Tümmler das ganze Jahr leben. Die Chance auf eine Sichtung ist hoch, garantiert ist sie nie — wer Ihnen eine Garantie verkauft, verdient Misstrauen.

Rückenflosse eines Grindwals vor der Westküste Teneriffas
Grindwale leben das ganze Jahr im Schutzgebiet Teno-Rasca vor Los Gigantes. Photo : Gustavo A. Pérez · CC BY-SA 4.0

Die Preise, am 22. Oktober 2026 erhoben: 2-stündige Touren ab etwa 40 €, drei bis vier Stunden auf einem Segelboot mit Badestopp unter den Klippen ab etwa 55 bis 80 €, oft mit Getränken und Obst an Bord. Achten Sie auf die gelbe „Barco Azul"-Flagge: Sie kennzeichnet Boote mit offizieller Lizenz zur Walbeobachtung, die Abstand halten und die Tiere nicht bedrängen — geschwommen wird mit Walen hier grundsätzlich nicht. Vormittags ist das Meer meist ruhiger. Welche Arten Sie erwarten können und wie eine gute Tour abläuft, vertieft unser Guide zur Walbeobachtung auf Teneriffa.

Playa de los Guíos: schwarzer Sand unter 500 Metern Fels

Gleich neben dem Hafen beginnt die Playa de los Guíos: feiner schwarzer Lavasand, eingerahmt von der ersten Klippenwand — wenige Strände Europas haben eine dramatischere Kulisse. Morgens liegt sie in der Sonne, am späten Nachmittag wirft die Wand Schatten: Wer den ganzen Tag bleibt, erlebt beides. Duschen und ein paar Strandbars liegen in Gehweite.

Schwarzer Sand der Playa de los Guíos direkt unter den Klippen von Los Gigantes
Die Playa de los Guíos: schwarzer Lavasand am Fuß der Steilwand — bei roter Flagge bleibt man draußen. Photo : Mike Peel · CC BY-SA 4.0

Ehrlichkeit gehört dazu: Das hier ist der offene Atlantik. Bei Dünung bilden sich Strömungen, besonders Richtung Klippenfuß, und bei roter Flagge geht niemand ins Wasser — auch nicht „nur kurz". Am ruhigsten ist es meist vormittags sowie im Sommer und Herbst. Hinter den Felsen am Klippenfuß versteckt sich der kleine Naturpool Charco de Isla Cangrejo — nur bei wirklich ruhiger See und mit Trittsicherheit erreichbar, sonst gar nicht. Wie sich der Strand gegen den Rest der Insel schlägt, zeigt unsere Übersicht der schönsten Strände Teneriffas.

Die Masca-Schlucht: die berühmteste Wanderung — streng reguliert

Die Klippen haben eine Hintertür: die Masca-Schlucht, die vom Bergdorf Masca auf rund 4,5 Kilometern und in etwa drei Stunden zwischen Felswänden hinunter zu einer kleinen Bucht am Fuß der Giganten führt. Seit der Regulierung geht das nur noch mit Online-Reservierung über die offizielle Seite (caminobarrancodemasca.com): Erwachsene ohne Wohnsitz auf den Kanaren zahlen beim Stand vom 22. Oktober 2026 28 € Eintritt plus etwa 10 € für den Pflicht-Shuttle ab Santiago del Teide, Minderjährige die Hälfte; Residenten Teneriffas wandern gratis. Ausweis mitnehmen — er wird kontrolliert.

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Kurvige Bergstraße nach Masca im Teno-Gebirge
Schon die Anfahrt nach Masca ist ein Erlebnis — die Schlucht selbst geht nur mit Reservierung. Photo : Jens Steckert · CC BY-SA 3.0

Unterschätzen Sie den Weg nicht: Es ist eine echte Bergwanderung mit Kraxelstellen, feste Schuhe sind Pflicht, Flipflops werden am Einstieg abgewiesen. Unten warten zwei Optionen: dieselben 600 Höhenmeter wieder hinauf — oder das vorab reservierte Boot nach Los Gigantes, das als Bonus die gesamte Klippenwand vom Wasser aus zeigt. Mehr Touren dieser Sorte sammelt unser Guide der schönsten Wanderungen Teneriffas.

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Kajak, Stand-up-Paddle und der Sonnenuntergang

Wer die Wand aus eigener Kraft erleben will, steigt ins Kajak: Geführte Touren ab dem Hafen dauern zwei bis zweieinhalb Stunden, kosten beim Stand vom 22. Oktober 2026 ab etwa 36 bis 40 € und legen meist einen Schnorchelstopp in einer Bucht unter den Klippen ein. Näher kommt man dem Fels nicht — und leiser auch nicht. Stand-up-Paddle-Boards verleihen mehrere Stationen am Strand; bleiben Sie auch damit in Ufernähe, der Wind schiebt ablandig schneller, als es aussieht.

Der Yachthafen von Los Gigantes mit der Playa de los Guíos und La Gomera am Horizont
Der Hafen von Los Gigantes: Startpunkt für Bootstouren und Kajak, La Gomera am Horizont. Photo : G.Lanting · CC BY 4.0

Zum Tagesende dann die zweite Spezialität des Ortes: Die Küste schaut genau nach Westen, die Sonne versinkt im Meer neben der Silhouette von La Gomera. Die besten Plätze: der Strand selbst, die Hafenmole — oder, mit der Wand im goldenen Licht, der Mirador de Archipenque oberhalb des Ortes. In welchen Monaten das Licht am klarsten steht, verrät unser Guide zur besten Reisezeit für Teneriffa.

Praktisch: Anfahrt, Parken, Standort

Los Gigantes liegt am Ende der Straße, die von Santiago del Teide zur Küste hinunterführt, etwa 40 Autominuten vom Südflughafen. Die Gassen des Ortes sind eng und steil: Parken Sie auf den Parkplätzen am Ortseingang und gehen Sie zu Fuß weiter, statt sich zum Hafen hinunterzutasten. Ohne Auto kommen Sie per Linienbus über Puerto Santiago heran; bequemer ist der Mietwagen — worauf es dabei ankommt, steht im Guide zum Mietwagen auf Teneriffa.

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Als Standort ist Los Gigantes die ruhige Alternative zum Süden: näher an Masca, Teno und Garachico, abends deutlich stiller als Playa de las Américas — dafür mit weniger Auswahl an Restaurants und Nachtleben. Als Tagesausflug funktioniert der Ort in einem halben Tag: vormittags Bootstour bei ruhiger See, mittags Strand, dann die Wand im Abendlicht. Und wenn Sie nur eine Sache mitnehmen: Buchen Sie die Ausfahrt — diese Klippen sind vom Wasser aus ein anderer Ort.

Moris Insider

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