Unter Wasser ist Teneriffa genau das, was es über Wasser ist: ein Vulkan. Lavabögen, schwarze Steilwände, Höhlen und ein gut 20 Meter tief liegendes Wrack ersetzen hier die Korallengärten der Tropen – dazu kommen Wassertemperaturen zwischen 19 und 24 °C das ganze Jahr und Sichtweiten, die an guten Tagen 20 bis 30 Meter erreichen. Dieser Guide sortiert ehrlich, was sich wirklich lohnt: die besten Tauchspots, die Schnorchelbuchten, die Schildkröten-Regeln am El Puertito und die echten Preise für Schnuppertauchen und Brevet – alle am 20. Oktober 2026 geprüft.
Warum Teneriffa unter Wasser besonders ist
Wer aus dem Roten Meer oder von den Malediven kommt, muss umdenken: Auf Teneriffa gibt es keine Korallenriffe, sondern erstarrte Lava – Bögen, Kamine, Überhänge und Steilwände, die in tiefes Blau abfallen. Dazwischen weiden Papageifische, lauern Muränen und Oktopusse, und über den Sandflächen stehen Engelhaie und Rochen. Das Wasser ist nie tropisch warm, aber nie kalt: 19 bis 20 °C von Januar bis März, 23 bis 24 °C im September und Oktober – Tauchen ist hier ein Ganzjahressport, und genau das unterscheidet die Insel von fast ganz Europa.
Ausführlicher Ratgeber: Teneriffa Sehenswürdigkeiten: die 25 Highlights, von Einheimischen gewählt
Die zweite Besonderheit liegt vor der Westküste: Der Streifen zwischen Teno und Rasca ist als Schutzgebiet ZEC Teno-Rasca ausgewiesen, rund 69 500 Hektar Meer, in denen ganzjährig Grindwale und Delfine leben. Getaucht wird dort geführt und mit Augenmaß – und wer die Tiere lieber von oben sieht, findet alles Nötige in unserem Guide zur Walbeobachtung auf Teneriffa. Die Sicht unter Wasser erreicht an guten Tagen 20 bis 30 Meter; am besten ist sie meist im Spätsommer und Herbst, wenn der Atlantik ruhig ist.
Das Wrack El Peñón bei Tabaiba
Der bekannteste Tauchgang der Insel liegt im Osten, vor dem Örtchen Tabaiba: El Peñón, ein ausgemusterter Schlepper aus dem Hafen von Santa Cruz, der 2006 gezielt versenkt wurde, um ein künstliches Riff zu bilden. Er liegt mit etwa 30 Grad Schlagseite nach Steuerbord auf dem Grund: Die Aufbauten beginnen bei rund 20 Metern, die tiefste Kante liegt bei etwa 32 Metern. Vor dem Versenken wurde das Schiff teilweise ausgeräumt, deshalb lässt es sich gut und vergleichsweise sicher betauchen.

Erreichbar ist das Wrack vom Ufer aus – der Einstieg liegt bei den Tauchbasen von Tabaiba, eine Bojenlinie markiert den Weg. Unten wohnen Muränen und Oktopusse in den Nischen, Barracudas stehen im Freiwasser, auf dem Sand ruhen Rochen. Ehrlich gesagt gehört der Tauchgang aber nicht in die erste Woche eines Anfängers: Der größte Teil des Wracks liegt tiefer als 20 Meter, und es kann Strömung aufkommen – die Basen vor Ort empfehlen ihn ab fortgeschrittenem Niveau und briefen den Aufstiegspunkt vorab. Wer sein Brevet gerade frisch hat, nimmt zuerst die Hausriffe der Südküste.
Montaña Amarilla und die Südküste
An der Costa del Silencio schiebt sich die Montaña Amarilla ins Meer, ein gelber Tuffkegel, dessen Unterwasserseite wie eine Mondlandschaft wirkt: Terrassen, kleine Höhlen und Bögen aus hellem Vulkangestein in geringer Tiefe. Das Gebiet ist als Naturraum geschützt, der Einstieg flach – deshalb teilen sich hier Schnorchler, Schnuppertaucher und Kursgruppen das Wasser. Bei ruhiger See ist es einer der schönsten einfachen Spots der Insel; steht Welle, verliert er schnell Sicht und Charme.

Ein Stück weiter östlich liegt Abades, eine geschützte Bucht mit einem flachen Riff nahe am Ufer: Seegraswiesen, Oktopusse, Trompetenfische, mit Glück ein Rochen – und das alles in Tiefen, die auch Kinder mit Maske erkunden können. Für den Westen gilt: Rund um Los Gigantes fallen die Wände unter Wasser so steil ab wie die berühmten Klippen darüber, hier fahren die Basen mit dem Boot. Welche Küste wann die ruhigere See hat, erklärt unser Artikel zur besten Reisezeit – als Faustregel bleibt der Südwesten am häufigsten tauchbar.
Schildkröten am El Puertito: erst die Regeln, dann der Traum
Kaum ein Teneriffa-Motiv ist so berühmt wie die grünen Meeresschildkröten der kleinen Bucht El Puertito de Armeñime – und kaum eines verlangt mehr Ehrlichkeit. Die Wahrheit: Die Bucht war jahrelang ein verlässlicher Treffpunkt, doch in den letzten Jahren sind die Sichtungen selten geworden. Niemand kann euch eine Schildkröte versprechen, und Anbieter, die genau das tun, solltet ihr meiden. Ein Teil des Problems waren die Menschen selbst: Jahrelang wurde gefüttert, angefasst, verfolgt.

Deshalb gelten einfache Regeln, und sie sind nicht verhandelbar: nicht füttern (es ist verboten und macht die Tiere krank), etwa 5 Meter Abstand halten, nichts anfassen, nicht hinterherschwimmen. Wer Meerestiere sehen will, ohne auf Glück am Strand zu hoffen, bucht eine geführte Schnorcheltour im Schutzgebiet – am 20. Oktober 2026 ab etwa 45 € zu haben, meist per Boot oder Kajak entlang der Westküste. Dort entscheidet zwar auch der Zufall, aber die Guides kennen die Buchten, in denen die Chancen am besten stehen.
Schnuppertauchen, Brevets und Preise
Der Einstieg ist einfacher, als viele denken: Für ein begleitetes Schnuppertauchen („Bautismo“, ab etwa 8 Jahren) braucht es kein Brevet. Die am 20. Oktober 2026 erhobenen Preise: ab rund 65 € für einen Einsteigertermin mit Theorie und flachem Tauchgang ab Los Cristianos, etwa 85 € für 20 Minuten unter Wasser mit Bootsausflug ab Puerto Colón, bis etwa 105 € für die 40-Minuten-Variante. Fotos oder Videos vom Tauchgang kosten meist 25 € extra. Online reservieren lohnt sich – die guten Vormittagstermine sind in der Hochsaison schnell weg.
Wer schon ein Brevet hat, zahlt für zwei geführte Tauchgänge im Süden ab etwa 125 €, die komplette Leihausrüstung kommt auf rund 10 € pro Tag. Die Basen verlangen die Brevetkarte (mindestens Open Water) und je nach Spot einen Nachweis der letzten Tauchgänge. Und das Schnorcheln? Maske und Schnorchel gibt es in jedem Strandort zu kaufen – wichtiger als die Ausrüstung ist die Spotwahl: geschützte Buchten wie Abades statt offener Strände. Was der Unterwassertag im Reisebudget bedeutet, rechnet unser Kosten-Guide vor.
Sicherheit, Jahreszeiten – und der Teide nach dem Tauchgang
Der Atlantik ist kein Pool, und Teneriffas Regeln sind schnell gelernt. Erstens: rote Flagge heißt draußen bleiben, auch mit Schnorchel, auch „nur kurz“. Zweitens: Im Winter steht an der Nordküste oft Brandung – die Meerwasserbecken und Schnorchelbuchten des Nordens sind dann tabu, geschwommen wird im Süden und Westen. Mehr dazu im Guide über die Naturschwimmbecken der Insel. Drittens: An den meisten Schnorchelspots gibt es keine Rettungsschwimmer – nie allein ins Wasser, und jemand an Land weiß Bescheid.

Die wichtigste Regel steht am Schluss, weil sie auf Teneriffa so leicht zu brechen ist: Nach dem Tauchen keine Höhe. Zwischen letztem Tauchgang und Flug gehören 18 bis 24 Stunden Pause – und die Teide-Seilbahn endet auf 3 555 Metern, also gilt für den Vulkan dieselbe Vorsicht wie fürs Flugzeug. Plant den Teide vor die Tauchtage, nicht dahinter; wie der Vulkantag gelingt, steht im Teide-Guide. So bleibt am Ende beides: der Blick vom Dach Spaniens – und die Erinnerung an den Moment, in dem unter euch die Lava ins Blau kippte.



