Guide von Locals

Naturschwimmbecken auf Teneriffa: die Charcos, richtig genutzt

Vom Moris-Insider-Team·2. September 2026·8 Min. Lesezeit

Teneriffa hat eine andere Art des Badens erfunden: in Lavabecken, die der Ozean mit jeder Flut neu füllt. Die Einheimischen nennen sie Charcos — wörtlich: Pfützen — und sie sind die Antwort der Nordküste auf eine Steilküste, die für klassische Strände zu schroff und zu rau ist. Das Wasser ist glasklar, die Kulisse aus schwarzem Gestein spektakulär, der Zugang fast immer kostenlos. Aber ein Charco ist kein Hotelpool: Die Öffnungszeiten bestimmt der Atlantik. Hier sind die schönsten Becken der Insel — und vor allem die Regeln von Dünung und Gezeiten, die den Unterschied machen zwischen einer großartigen Erinnerung und einer Seenotrettung.

Warum die Insel in Lava badet

Alles beginnt mit dem Vulkan. Erreicht ein Lavastrom den Ozean, erstarrt er schlagartig: Plattformen, Mulden und Bögen entstehen auf Wasserhöhe, und das Meer muss sie nur noch füllen. Der Norden Teneriffas ist damit übersät, gerade weil er die geologisch jüngste Küste der Insel ist — in Garachico formen die Ströme des Ausbruchs von 1706, der den damals reichsten Hafen der Insel zerstörte, heute die Becken, in denen gebadet wird. Der zweite Grund ist praktisch: Die der Atlantikdünung ausgesetzte Nordküste bietet kaum geschützte Strände — ihre schwarzen Buchten sind schön, aber oft rau, wie unser Strand-Guide für Teneriffa zeigt. Charcos sind die lokale Lösung: eine Felswand zwischen Ihnen und den Wellen, Ozeanwasser ohne seine Strömungen. Vorausgesetzt — dazu kommen wir noch —, das Meer bleibt draußen.

El Caletón in Garachico: der absolute Klassiker

Die Naturschwimmbecken El Caletón in Garachico, Lavabecken unterhalb des Ortes, Teneriffa
El Caletón: die Lavaströme von 1706, heute das öffentliche Bad von Garachico. Photo : Diego Delso · CC BY-SA 3.0

Das berühmteste Ensemble der Insel — und das geschichtsträchtigste: Die Becken von El Caletón liegen genau auf dem Lavastrom, der 1706 den Hafen von Garachico begrub. Das Dorf hat aus der Katastrophe einen Schatz gemacht — Stege, Treppen und Mäuerchen verbinden ein Dutzend türkisfarbener Becken, vom Planschbecken bis zum tiefen Bassin, in das man vom Fels springt. Der Zugang ist frei und kostenlos, mitten im Ortskern, und in der Hochsaison wachen Rettungsschwimmer über das Bad. Im Winter, bei schwerer Dünung, wird der Zugang schlicht gesperrt: Die Wellen fegen über die gesamte Anlage, und die Sturmfotos genügen, um zu verstehen, warum. Garachico lohnt den Halt ohnehin — kanarische Gassen, schattige Plätze, eines der schönsten Dörfer der Insel —, und unsere Wochenroute gibt ihm einen festen Platz an der Nordküste.

Bajamar und Punta del Hidalgo: die Wahl für Familien

Die Meerwasserbecken von Bajamar, die Dünung bricht über der Mauer, Teneriffa
Bajamar: die Dünung bleibt draußen, das Ozeanwasser drinnen — der perfekte Familienkompromiss. Photo : Mentxuwiki · CC BY-SA 4.0

Am Fuß des Anaga-Gebirges, an der Nordostküste, bietet Bajamar die beruhigendste Version des Konzepts: zwei große Meerwasserbecken und ein Kinderbecken, geschützt von einer Mauer, die die Dünung an Ihrer Stelle abfängt — das Schauspiel der daran zerplatzenden Wellen gehört zum Charme dazu. Der Zugang ist ganzjährig kostenlos, in der Badesaison sind Rettungsschwimmer im Dienst, die Wasserqualität trägt die Blaue Flagge, und die Anlage ist barrierefrei zugänglich. Es ist der Charco, den wir Familien ohne Einschränkung empfehlen. Drei Kilometer weiter setzt Punta del Hidalgo mit seinem wilderen Naturbecken noch eins drauf, mit dem futuristischen Leuchtturm und den Anaga-Graten als Kulisse — beide Orte verbindet ein Küstenweg. Wer im Norden wohnt, um Anaga und La Laguna zu erkunden: Unser Guide zum Landschaftspark Anaga rundet den Tag ab.

Charco de La Laja: der fotogenste — wenn er geöffnet ist

Lavabecken in der Abenddämmerung an der Küste von San Juan de la Rambla, Teneriffa
San Juan de la Rambla in der Dämmerung: die Küste des Charco de La Laja, großartig und fordernd. Photo : Loi Ribera · CC0

Versteckt am Ende einer Steintreppe unterhalb von San Juan de la Rambla liegt der Charco de La Laja, das wohl meistfotografierte Becken der Insel: eine perfekte, von Lava umschlossene Wanne mit eigener natürlicher Schutzmauer, türkis bei ruhiger See. Er ist zugleich das beste Beispiel für die Doppelgesichtigkeit eines Charcos. Steigt die Dünung, erzeugt das einströmende Wasser einen Sog, der Schwimmer gegen den Fels zieht; es gab hier Unfälle, und Rathaus wie kanarische Polizei sperren den Ort regelmäßig per Verfügung — zuletzt Anfang 2025, nachdem Besucher für ein Foto immer wieder über die Verbotsschilder stiegen. Die Regel ist einfach: Ist der Zugang gesperrt oder steht die Beschilderung auf Rot, geht niemand hinein. Punkt. Bei spiegelglatter See und Ebbe ist es dagegen eines der schönsten Bäder des Atlantiks.

Charco del Viento und die Becken von La Guancha

Unser Titelbild zeigt ihn: den Charco del Viento an der Küste von La Guancha, zwischen San Juan de la Rambla und Icod de los Vinos. Ein fast geschlossener Lavaring, Wasser so klar, dass man jeden Kiesel zählt, eine in den Fels geschlagene Treppe — und in der Saison ein kleiner Kiosk am oberen Zugang. Man erreicht ihn über ein Sträßchen ab der TF-351 (Ortsteil Santa Catalina), dann Stufen; es ist der zugänglichste „wilde“ Charco des Nordens und darum der meistbesuchte der Gemeinde — am besten morgens unter der Woche. Wanderer hängen die Nachbarn Charco Verde und Charco de La Arena an, abgelegener und nur zu Fuß erreichbar. Weiter westlich verbirgt die Küste von Los Silos den Charco de la Araña, ein Becken, das nur bei Ebbe existiert und bei Flut verschwindet — die wörtlichste Demonstration, wer hier das Sagen hat. Um den Tag nach dem Zustand des Ozeans zu wählen, erklärt unser Guide zur besten Reisezeit für Teneriffa Dünungsmuster und Mikroklimata der Nordküste.

Die goldene Regel: der Ozean entscheidet

Alles Vorige passt in einen Satz: Ein Charco ist nur bei ruhiger See und passender Tide sicher. Die Reflexe der Einheimischen, der Reihe nach: vor dem Aufbruch den Seegang prüfen (die Norddünung ist von Oktober bis März am stärksten, aber auch Sommerdünung gibt es); Ebbe oder ablaufendes Halbwasser anpeilen, wenn die Becken voll sind, der Ozean aber nicht mehr überschwappt; den Ort fünf Minuten beobachten, bevor man hineinsteigt — schlagen Wellenpakete über die Mauer, ist das Bad vorbei, ehe es begann; nie allein baden und dem Ozean nie den Rücken zukehren; und jedes Schild, jede Flagge respektieren — sie stehen für vergangene Unfälle, nicht für übertriebene Vorsicht. Und es muss klar gesagt werden: Der Charco del Tancón bei Puerto de Santiago, durch soziale Netzwerke berühmt geworden, ist für das Baden gesperrt — 300 € Bußgeld — und sechs Menschen sind dort in den letzten Jahren ums Leben gekommen, gefangen in seiner Höhle bei auflaufender Flut. Kein Foto ist das wert. Die Charcos in diesem Guide bieten dasselbe türkisfarbene Wasser, ohne die Falle.

Praktisch: Ausrüstung, Timing, Kombinationen

Drei Dinge ändern alles: Badeschuhe (Lava schneidet, und Seeigel gibt es wirklich), eine Schnorchelmaske (die Becken stehen mit dem Ozean in Verbindung, Fische inklusive) und etwas Warmes für danach — die Nordküste ist windig, genau das gab dem Charco del Viento seinen Namen. Beim Timing gewinnt die Kombination Morgen + Ebbe + ruhige See: weiches Licht, volle Becken, wenig Betrieb. Die Charcos des Nordens verbinden sich natürlich mit den Nachbarzielen — Garachico mit Icod und seinem Drachenbaum, Bajamar mit La Laguna und Anaga, der Charco del Viento mit der Küste von San Juan de la Rambla — und fügen sich als „Nordküsten-Tag“ in eine Wochenreise, wie unsere Liste der 25 Highlights von Teneriffa zeigt. Ein letzter Tipp von Einheimischen: Hier wird das ganze Jahr über gebadet, bei Wassertemperaturen zwischen 19 und 24 °C je nach Saison. Langsam hineingehen, in der Nähe der Leitern bleiben — und den Ozean daran erinnern lassen, dass man hier immer nur zu Gast ist.

Moris Insider
Der Teneriffa-Guide und die Karte, gemeinsam mit Einheimischen erstellt. Die echten Spots, zur richtigen Zeit, mit dem Wetter des Tages.

TeilenXFacebookWhatsApp